Draft-Grades – Wir bewerten Dorseys Draft 2019

28. April 2019 0 Von Mike

Der Draft 2019 ist in den Geschichtsbüchern! Insgesamt 7 Spieler hat der Staff um GM John Dorsey auserwählt, um die Browns Richtung Superbowl zu verstärken. Wir geben einen ersten persönlichen Einblick zu den Picks und geben eine Einschätzung ab. Natürlich alles noch sehr früh vor dem Camp, jedoch wollen wir direkt nach dem Draft unsere Meinung abgeben.

#46: CB Greedy Williams, LSU

Greedy Williams hatte kaum einer auf dem Schirm für #49, denn nahezu alle Experten sahen den langen Press-Corner aus LSU als Firstrounder, mindestens aber früh in der zweiten Runde vom Board gehen. Greedy bringt nahezu alles mit: Elite-Speed (4,37 in der 40), grandiose Instinkte und vielleicht die stärksten Coverage-Fähigkeiten der Klasse. Zurecht bemängelt wird sein Tackling, aber das scheint ein Aspekt der trainierbar ist. Greedy „Absturz ist kaum zu erklären. 6 CB´s gingen vor ihm, viele davon mit weitaus weniger Talent gesegnet.

Der leichte Uptrade ist daher völlig verständlich und richtig. Ein First-Round-Talent so spät einzusammeln ist fantastisch. Das Duo Ward-Greedy könnte auf Jahre dominieren.

Chapeu, Mr.Dorsey! Einen Need kombiniert mit dem „Best Player available“, mehr geht nicht. Greedy kann, muss aber nicht sofort starten und somit intensiv am Tackling arbeiten (gern auch direkt zusammen mit Denzel Ward)

Draft-Note: 1 


#80: LB Sione Takitaki, BYU

Wer hatte Takitaki für die dritte Runde auf dem Radar? Vermutlich die wenigsten. Laut den Interviews danach war der Linebacker aber sehr wohl der BPA für die Browns.

Wir von Brownsfans.de hatten Takitaki nie vor dem 5.Runde erwartet. Dane Brugler beispielsweise nur als den #23 der LB-Class. Was ist Takitaki also für ein Spieler? Ein Linebacker, der mit enormer Energie spielt und jedes Play 100% gibt, was gut zu den Ansprüchen der Browns passt. Ein Playmaker, der mehr Tackles for Loss als Spiele in der Vita hat. Gleichzeitig verpasst er durch Übermotivation etliche Plays und bringt die Defense in Bedrängnis. In Coverage bringt er gute Anlagen mit, seine Grades laut PFF sind auch ok, mehr aber nicht. Sein größtes Problem scheint Tackling im offenen Feld zu sein, leider eine Eigenschaft die viele Browns haben. Bei BYU spielte er den MIKE und WILL in 2017 und 2018 sehr erfolgreich mit je mehr als 100 Tackles, nachdem er als Passrusher nicht funktionierte.

Insgesamt sehe ich bei Takitaki viel Durchschnitt. Durchschnittliche Athletik, Speed, Spielverständnis, eher unterdurchschnittliches Tackling, dafür aber exzellente Energie. Die Frage wird sein, ob man durch gutes Coaching die eher niedrigen Instinkte noch verbessern und das Tackling upgraden kann. Mehr als einen Backup für Kirksey oder Schoebert sehe ich aber zunächst nicht, was für Pick #80 leicht enttäuschend ist – zumal etliche sehr spannende Spieler noch auf dem Board waren.

Draft-Note: 3-


#119: S Sheldrick Redwine, Miami

Auch wir hatten Redwine auf dem Radar (wenn auch für Runde 5), daher sind wir durchaus erfreut das ein weiterer Miami Hurricane zu den Browns wechselt. Redwine bringt als ehemaliger Cornerback und erfolgreicher Safety mit einer starken Kombination aus Speed und Instincts mit, der sich in der Box sehr wohl fühlt. Guter Run-Defender, der solide tackled. In Coverage lässt er sich von guten Route-Runnern noch täuschen und hat Probleme gegen starke Tight-Ends. Dafür bringt er aber Ball-Skills mit und überzeugte mit 3 INT´s in 2018. Ebenfalls spannend sind seine Special-Teams-Fähigkeiten mit 4 geblockten Kicks.

Mir gefiel Redwines Tape, daher habe ich mit dem leichten „Reach“ kein Problem. Redwine bringt wirklich viel mit, um zunächst hinter Burnett zu lernen und dann immer mehr Snaps zu bekommen. In Coverage muss er konstanter werden und besser antizipieren, ansonsten sind aber der Speed und die Instinkte da, um als Strong Safety zu starten ab 2020 oder 2021. Bis dahin wird er unsere Special Teams enorm verstärken.

Draft-Note: 2


#155: LB Mack Wilson, Alabama

Finally! Das Mack Wilson so tief fällt hatten die wenigsten erwartet. Dafür spielte Mack Wilson eigentlich zu gut in der starken Bama-Defense. Wir hatten ihn bereits für Runde 2 auf dem Radar. Bei genauerem Hinsehen kann man die Bedenken vieler Front Offices jedoch verstehen.

Hier scheint Mack Wilson äußerst mittelmäßig. Sein Tape finde ich da deutlich besser. Da imponiert mir vor allem seine Coverage-Fähigkeiten. Gegen TE´s und andere Receiver spielte er stark und dürfte damit der vielleicht beste Cover-LB der Klasse sein. Gegen den Lauf ist er mir häufig zu zögerlich und wartet ab statt zu agieren. Man sieht dadurch Wilson zu häufig zu spät in der Nähe der Action. Daran muss er unbedingt arbeiten. Dafür bringt er bereits jetzt ein exzellentes Spielverständnis mit und gab bei Bama häufig die Anpassungen der Coverage vor dem Snap durch.

Ich wünschte mir Mack Wilson vor de Draft, um mit G.Avery die vakante SAM-Positon von Jamie Collins zu besetzen. Diese Kombination kann ich mir auch in 2019 gut vorstellen, wodurch Wilson recht schnell Snaps bekommen sollte. Da er so tief fiel, dürfte er zudem extra motiviert sein es seinen Kritikern zu beweisen. In Runde 5 toller Value.

Draft-Note: 1-


#170: Austin Seibert, K, Oklahoma

Wenn da nicht Baker seine Finger im Spiel hatte. Die Browns draften bereits in Runde 5 einen Kicker und niemand geringeren als den Kameraden von Mayfield. Mit einer Field-Goal-Quote von 79% und dem längsten Kick von 56 Yards bringt er alles mit. Noch viel wichtiger: Seibert kennt es unter hohem Druck zu kicken und bleibt cool. Zwei National Championship-Games, mehrere Rivalry-Games – Seibert kennt Clutch-Situationen.

Endlich Competition für den unsicheren Greg Joseph. Nachdem Utahs Matt Gay noch früher gepicked wurde, wollte Dorsey zurecht nicht viel länger warten. Seibert ist ultra-sicher auf kurzen Distanzen und Extra-Points und schafft hoffentlich auch die längeren Kicks in Zukunft länger. Seine Souveränität in Druck-Situationen kann Gold wert sein!

Draft-Note: 2+


#189: Drew Forbes, OG/OT, Southeast Missouri

Ein Pick der Analytics-Guys! Forbes ist ein ultra-athletischer Lineman, der als Small-Schooler die perfekten Anlagen mitbringt. Und passt genau in das Anforderungsprofil des neuen O-Line-Coach Campen. Während er im College als Tackle spielt, sehen ihn viele als Guard in der NFL. Dane Brugler sieht in somit als zehntbesten Guard des Drafts: “ Overall, Forbes’ lack of length and punch timing could make him vulnerable vs. quick defensive tackles, but all the mental and physical ingredients are there for him to develop into a quality NFL guard“ 

Forbes ist natürlich ein Entwicklungsprojekt, aber gefällt mir mit seinem Potential und aggressiven Spielmentalität. Forbes ist ein „Nasty“ Spieler, der als Kapitän und mit Profi-Einstellung gut zu den Browns passt.

Draft-Note: 1-


#221: Donnie Lewis Jr., CB, Tulane

Abschließend greift man ein Prospect ab, welches man zum Visit in Berea hatte. Lewis war nicht bei der Combine und wir kennen seine Werte auch nicht vom Pro-Day wegen einer Verletzung. Jedoch lässt seine Vergangenheit als Sprinter vermuten, dass er den Speed mitbringt. Bei Tulane startete er alle 44 Spiele und coverte dort zumeist den gegnerischen Top-WR. Nach allem was man ließt ist die Play-Strength sein größter Schwachpunkt, hier gilt es also schnell das Browns-Fitnessprogramm zu nutzen. Ansonsten scheinen seine Cover-Fähigkeiten und Ball-Skills aber vielversprechend und rechtfertigen den Pick.

Was will man zu Runde 7 sagen? Letztes Jahr präferierte Dorsey hier physische Freaks, diesmal einen der Visits, der den nun gut gefüllten CB-Room komplettiert, aber eher mäßige Chancen auf einen Roster-Spot hat.

Draft-Note: 3+


Fazit

Ein starker Draft der Browns, die ohne Firstrounder dennoch mehrere Top-Talente abgreifen konnten. Vom Greedy Williams Pick kann man begeistert sein, doch auch an Tag 3 fanden die Browns sehr spannende Spieler, welche zudem gut die Needs in der Defense stopften. Selten zuvor ging man in Berea so deutlich auf die Verstärkung der Defense mit gleich 5 von 7 Picks, wobei die ersten 4 Picks allesamt Defense waren. In Hinsicht der deutlich besseren Draft-Class machte das aber auch Sinn.

Kritisieren kann man immer, aber jeder Spieler bringt Potential mit und scheint vor allem zu der geforderten neuen Mentalität der Browns zu passen. Der Gesamteindruck ist daher absolut positiv.

Draft-Note: 2+

Go Browns!