Week 13 Preview – Mehr als ein Spiel.

28. November 2019 0 Von Mike

Der mediale Schwergewichts-Fight steht vor der Tür. Browns vs. Steelers II. Natürlich muss man in dieser Partie neben vielen sportlichen Aspekten auch die Emotionen betrachten. Es geht um eine erbitterte Rivalität, letzte Playoff-Träume und die Chance eine verkorkste Saison noch zu retten.

Week 12 Review – Benching Rudolph

Beide Teams gehen siegreich in das Duell, allerdings dürfte die Gefühlslage und Zufriedenheit bei den Browns deutlich besser aussehen. Denn der Sieg der Steelers bei den 0-10-Bengals war nicht nur knapp (16-10), sondern vor allem offensiv eine Katastrophe. Erst als HC Tomlin den jungen QB Rudolph für 3rd-Stringer Devlin Hodges benchte, holte Pittsburgh die notwendigen Punkte zum Zittersieg. Mit Mason Rudolph gelang den Steelers in 2,5 Vierteln magere 3 Punkte, erst danach holte man sich die Führung zurück.

Die Browns dagegen fegten über die Miami Dolphins mit 41-24 weg und zeigten dabei offensiv die beste Saisonleistung. Folgende Punkte möchten wir herausstellen:

  • Passing-Power: Das erste offensive Feuerwerk im First-Energy-Stadium. Baker Mayfield war schon zur Halbzeit bei 16/18, 178 Yards und 3 TD´s. Am Ende waren es sogar 327 Yards durch die Luft. Baker hatte die notwendige Zeit in der Pocket, bärenstarke Receiver und zumindest lange im Spiel auch eine perfekte Accuracy um die Secondary zu entblößen. Hervorheben muss man natürlich Jarvis Landry, der gegen seinen Ex-Klub 148 Yards und 2 TD´s auflegte. Und eeeeendlich gelang auch Superstar Odell Beckham mit dem 35-Yarder wieder ein Score. Überbewerten darf man die Leistung angesichts des Gegners nicht, aber das Passing-Game der Browns kommt immer mehr in Fahrt.
  • Scheming ohne Myles: Das größte Fragezeichen vor dem Spiel war, ob man ohne Garrett, Ogunjobi und Vernon überhaupt Druck aufbauen kann. Die Antwort war ein beeindruckendes JA. Angeführt vom sehr starken Sheldon Richardson (2 Sacks, Fumble, x Tackles) waren es vor allem gute Blitzes, die Fitzpatrick einheizten. 5 Sacks und massig Pressures sind ein starkes Zeugnis und waren Grundlage für eine gute Coverage und nahezu einen Shutout in der ersten Halbzeit.
  • Joe „Money“ Schoebert: Wieder einmal der heimliche Star der Browns. Gleich zweimal pickte Joe Schoebert den Dolphins QB und erhöhte seinen Marktwert erneut um einiges. In der Saison hat er mit 6 INT´s, 2 Fumbles, 9 Passes Defended und bereits 97 Tackles seinen Status als Top-5-MLB etabliert und einen hochdotierten Vertrag verdient. Sign this Man, Mr.Dorsey!

Revenge-Game: Unterschiede zum Week 11-Spiel

  1. Home Field (Dis-)Advantage: Im Hinspiel waren es die Heimfans, die in wichtigen Situationen laut wurden und damit unter anderem auch einige Penaltys und Schwierigkeiten kreierten. Am Sonntag wird es nun gegen die Browns laut – und angesichts der medialen Stimmung vermutlich so laut wie lange nicht mehr. In engen Spielen ist das immer ein Faktor – vor allem für ein junges Team wie den Browns wird es wichtig hier kühlen Kopf zu bewahren.
  2. Emotions: Kühlen Kopf müssen die Browns ohnehin bewahren. Die Steelers sagten nicht umsonst, dass im Hinspiel „they came out to bullys us“. Ich erwarte auch von den Steelers Spielern eine Reaktion in Form von mehr Härte und zusätzlichen Provokationen im Spiel. Wichtig wird es, dass unsere „Hitzköpfe“ dabei den Fokus auf das Spiel nicht verlieren und als das clevere Team auftreten.
  3. Dezimierte Browns-D: DER Schlüssel zum Sieg war für mich die Dominanz an der Line. Gegen eine mittlerweile nur noch durchschnittliche O-Line hatten die Browns den ganzen Abend den Vorteil. Im Worst Case fehlen nun beide Edge-Rusher (Garrett/Vernon). Der Druck vom Hinspiel ist nicht in der Form zu erwarten, vielmehr müssen die Browns wie gegen Miami mit guten Blitzing-Paketen zum QB kommen.
  4. Fragezeichen beim Steelers-QB: Das Benching des Mason R. birgt natürlich den x-Faktor vor dem Spiel. Denn die desolate Leistung des jungen QB´s aus Oklahoma State brachte die Browns mit den 4 INT´s doch deutlich auf die Siegerstraße. Ersatzmann Devlin Hodges spielte da weitaus weniger fehlerlastig. Auch Hodges ist kein Heilsbringer, ist aber aktuell deutlich gefährlicher für die Browns als Rudolph. Spielerisch sah man die Steelers etwas aggressiver und vertikaler mit Hodges.
  5. Adjustment-Battle: Die Eindrücke sind auch bei den Coaches noch frisch. Man kennt den alten Gameplan, nun ist entscheidende Frage wer diesen besser anpasst. Die Browns konnten im Hinspiel ungewohnt schlecht laufen – wird dennoch der Fokus wieder darauf liegen? Oder wird man wie gegen die Dolphins sehr erfolgreich noch mehr auf RPO-Konzepte setzen und das Spiel damit in Bakers Hände geben? Die Steelers dagegen sind mit den wenigen offensive Waffen auf mehr Kreativität und gute Field-Position angewiesen. Gegen die Bengals sah es weiter schwach aus – kann Tomlin hier neue Ideen aus dem Helm zaubern?

Taktik-Board – Sinnvolle Adjustments

Steelers:

  • Attack Deep: Egal ob mit Hodges oder Rudolph, zuletzt funktionierte die Offense nur mit Attacken auf tiefe WR, die entweder das Big Play schaffen oder eine Flag ziehen. Schon im Hinspiel sah man die Tendenz Holton tief anzuwerfen, um eine Pass-Interference zu holen. Je stärker die Browns in der Mitte mit dem Duo Schoebert/Wilson werden, desto eher macht es für die Steelers Sinn Greedy Williams und Juston Burris anzuwerfen. Mit Diontae Johnson, James Washington und Holton hat man hier einige Waffen.
  • Run Snell: Im Hinspiel war es Jaylen Samuels, der mit nur 26 Rushing Yards kein Faktor war. Zuletzt gegen die Bengals bekam Rookie Benny Snell die Workload und schaffte bei 21 Carries immerhin 98 Yards und schaffte wichtige First Downs zum Ende des Spiels. Die Browns müssen sich mit Snell auf einen anderen, toughen Runner einstellen am Sonntag.
  • Overload Pressure: Im Hinspiel schafften die Steelers es zwar, auch mit dem 4-Man-Rush Druck aufzubauen, jedoch reagierte da Baker zumeist stark. Zum Anfang der Saison war die Line der Browns vor allem anfällig bei Overload-Pressure auf eine Seite der Browns. Speziell die rechte Seite mit Teller/Hubbard ist noch immer wackelig. Als DC würde ich hier blitzen und die Seite überfallen.

Browns:

  • RPO: Die Browns Offense ist nicht zufällig besser geworden. Neben dem Hunt-Faktor ist es auch auffällig, dass mit die Wende mit mehr Freiheiten für QB Baker Mayfield einhergehen. Die Rate an Audibles und Run-Pass-Options steigt wöchentlich. Kein Wunder, denn Bakers Stärke liegt genau hier. Ein intelligenter QB, der mit den richtigen Reads die Plays kreiert. Davon gern noch mehr gegen die Steelers, um dieser guten Defense schwere Entscheidungen zu geben:
  • Blitz-Festival: Ohne Garrett und potentiell Vernon wird das Duell an der Line enger. Die Bengals zeigten zuletzt mit Blitzes wie man auch ohne guten 4-Man-Rush gegen Rudolph erfolgreich spielen kann. Gleichzeitig sollten die Browns mit einem ähnlichen Konzept wie gegen Miami agieren und Safetys, Cornerbacks und Linebacker in etlichen Situationen

Injury Report – Ausfälle & Comebacks

Auf dem Injury Report finden sich wenige neue Namen. Doch ein Ausfall kann sehr bitter werden. LT Greg Robinson hat Symptome einer Gehirnerschütterung und wird richtigerweise im Protokoll aufgenommen. Ein Einsatz am Sonntag ist damit höchst unwahrscheinlich. Justin McCray würde für ihn starten – ein klares Downgrade.

Dafür kann es einige lang ersehnte Comebacks geben

  • Njoku: Bekommen die Browns endlich ihren TE1 zurück? Njoku wurde bereits vor dem Miami-Spiel von IR aktiviert – nun sollte er mit etwas Training bereits für erste Spielanteile sein. Zu viel sollte man nach der langen Abstinenz nicht erwarten – ich vermute man führt Njoku langsam heran.
  • Vernon: Noch wichtiger wäre ein Comeback von DE Olivier Vernon nach Knieproblemen. Ohne Vernon müssten die Browns erneut umstellen und vermutlich Sheldon Richardson auf DE einsetzen. Vernon wäre im Gameplan damit eine bedeutende Variable und als bester Pass-Rusher nach der Sperre von Myles Garrett zweifelsohne sehr willkommen.
  • Juju Smith-Schuster: Auch das Steelers-Lazarett hofft auf ein Comeback. Juju fiel mit dem Hit von Randall aus und ist seitdem fraglich. Die aktuellen Prognosen sagen ein Comeback vorher, was den Steelers ihren #1-WR zurückgeben würde. Die Browns müssten sich dann neben dem immer besser werdenden J.Washington auch auf den physischen Juju konzentrieren.

Schlüssel zum Sieg

  1. Schützt Baker Mayfield: Der Pass-Rush der Steelers ist weiterhin das Markenzeichen. Im Hinspiel zeigte Baker hervorragendes Pocket-Movement und wich dem Pressure damit aus. Eine Weiterentwicklung, die Anfang des Jahres noch nicht erkennbar war. Selbstverständlich ist dies dennoch nicht, daher wird Pass-Protection weiter wichtig, auch um die tiefen Waffen mit Beckham und Hodge und Higgins zu treffen. Gegen Miami hatte die O-Line in der Protection ihr vermutlich bestes Spiel (abgesehen von den Penaltys). Dennoch wird es wieder eine harte Battle, um TJ Watt und co. von Baker fern zu halten. Wenn man wieder nur einen Sack zulässt und Bakers Pocket Awareness so stark bleibt bin ich optimistisch.
  2. Kontrolliert die D-Line erneut: Wie vorher schon erwähnt war DER Schlüssel zum Erfolg die Dominanz an der defensiven Line. Garrett dominierte Villanueva nach Belieben und ist nun raus. Chad Thomas spielte groß auf und war gegen den Lauf und Pass jeweils gut. Im Ideal
  3. Besonnenheit: Disziplin wird das Schlüsselwort. Mit der richtigen Energie zu spielen, um zwar volle Leistung mit absolutem Willen zu zeigen, aber in der köchelnden Atmosphäre nie den Fokus zu verlieren. Die Browns müssen die Fehler aus dem Hinspiel mit den Personal Fouls abstellen und nun das klügere Team sein. Die Steelers werden provozieren, die Fans werden laut – all das wird sehr schwer für das junge Team. Ohne Turnover und mit wenigen Strafen hat man aber schon viel geschafft.

Prediction

Kann man eine Partie mit derart vielen emotionalen Komponenten und Fragezeichen vorhersagen?

Ja und Nein. Es gibt neben den sportlichen Faktoren hier tatsächlich einige sehr schwere Fragen:

  • Wie reagiert das junge Team in solch feindlicher Atmosphäre?
  • Schaffen es die Browns Provokationen zu ignorieren und die sportliche Überlegenheit umzusetzen?
  • Wie gut agiert die Defense ohne Myles Garrett gegen diese Line?

Hört man auf die Buchmacher gehen die Browns als Favorit in das Spiel. Der Spread ist mit -2 trotz des Auswärtsspiels bei den Browns. Nicht wirklich überraschend nach dem Hinspiel und den schwachen Steelers gegen die Bengals. Mit 40.0 Punkten erwartet man zwar mehr Punkte als im Hinspiel, aber immer noch einen Low-Scorer.


Es wird die große Reifeprüfung der Browns. Ein Spiel, für das ein Spieler wie Baker Mayfield eigentlich perfekt gemacht ist. Kein Spieler kennt noch aus dem College diese großen Rivalitäten und aggressiven Stimmungen. Baker wird hot sein und die Browns wie zuletzt führen. Das Duo Chubb/Hunt wird mit jedem Spiel stärker und im Rückspiel noch wichtiger. Die Performance der O-Line wird kritisch und schwer ohne LT Greg Robinson. Dieser Ausfall kann schwer wiegen, wenn McCray gegen TJ Watt Probleme hat.

Defensiv wird es schwieriger, jedoch machen die jungen Spieler um DE Chad Thomas, DT D.Lawrence und auch S J.Burris mit starken Leistungen viel Hoffnung. Ich erwarte eine umkämpfte Partie, in der die Browns Offense aber letztlich schlicht stärker ist als die Steelers-Offense und somit ein enges Spiel gewinnt.

Browns 17 Steelers 13

Go Browns!